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Pressemitteilungen

31.07.2015

Schlag gegen „Team Wallraff“
Gericht untersagt falsche Behauptungen


Hamburg, 31.07.2015 - Schwerer Schlag für „Team Wallraff“: RTL hat den Bericht über die Großküchen vom Netz genommen – aus „juristischen Gründen“, wie es anfangs auf der Seite hieß. Wer die „Team Wallraff“-Sendung auf den Internetseiten von RTL nachträglich ansehen möchte und den entsprechenden Link anklickt, der wird derzeit enttäuscht. Statt eines Videostreams poppt dem Zuschauer jetzt unvermittelt das Impressum der RTL-Internetseite entgegen. Was ist geschehen?

Unter Anleitung des Investigativ-Journalisten Günter Wallraff hatte das „Team Wallraff“ zwei Journalistinnen als Praktikantinnen in verschiedene Großküchen deutscher Unternehmen „eingeschmuggelt“. Sie sollten dort mit verdeckten Kameras und Mikrofonen Missstände aufdecken.

Eine der Journalistinnen tauchte bei der Amarita Oldenburg auf, eine Senioreneinrichtung, die zu der Marseille-Kliniken AG gehört. Die orientalische Frau mit Kopftuch gab vor, in ihrem Heimatland verfolgt zu werden und sie wolle ein Praktikum in der Küche der Amarita machen, als Vorbereitung für eine Ausbildung.

Mit versteckter Kamera und Mikrofonen machte sie sich an die Arbeit. Heraus kam ein manipulativer Bericht über die angeblich schlimmen Zustände in der Küche unserer Senioreneinrichtung, die seltsamerweise kurz vor dem Einsatz der falschen Praktikantin von den örtlichen Gesundheitsbehörden als einwandfrei eingestuft worden war.

Vieles von dem, was die Dame behauptete und was später in der „Team Wallraff“ Sendung verbreitet wurde, war haarsträubend und falsch.

Das wollten wir uns nicht gefallen lassen. Bei der Pressekammer des Landgerichtes Hamburg stellten wir einen Verbotsantrag, den wir damit begründeten, dass der Beitrag unwahre Behauptungen und grobe Verletzungen der journalistischen Sorgfaltspflicht enthalte. In einem ohne mündliche Verhandlung ergangenen Beschluss vom 24.7.2015 untersagten die Richter RTL die Verbreitung verschiedener Behauptungen des „Team Wallraff“. Für den Fall der Zuwiderhandlung drohten sie ein Ordnungsgeld von bis zu € 250.000,00 gegen den Sender an. Auf eine Begründung für die einzelnen erlassenen Verbote verzichtete das Gericht, wie bei solchen Beschlüssen üblich.

Der Sender reagierte angesäuert auf den richterlichen Beschluss. Eine Sprecherin sagte dem Branchendienst „Kress“: „Eine Bearbeitung und Kürzung des Beitrages auf die gerichtlich streitgegenständlichen Sequenzen wäre zu arbeitsintensiv, daher nehmen wir diese dann erst mal in der Regel vom Netz, sprich es bedeutet in Konsequenz, dass wir derzeit auch gezwungen sind den Beitrag offline zu stellen.“ Und weil es ein ganz herber Schlag ins Kontor der Wallräffchen war, kündigte die Sprecherin auch noch an: „Wir behalten uns nach Prüfung aller gerichtlichen Unterlagen jedoch selbstverständlich vor, hiergegen vorzugehen und den Wahrheitsgehalt durch umfangreiches Material entsprechend zu beweisen.“

Wir sind gespannt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Marseille-Kliniken AG, Ulrich Marseille, erklärt, warum der Konzern gegen die Berichterstattung von „Team Wallraff“ so hart und konsequent vorgeht: „Was sich RTL da geleistet hat, muss man schon als Manipulation bezeichnen.“ Und weiter: "Ich finde, dass es wichtig ist als Unternehmen, dass man sich solche Verfälschungen nicht gefallen lässt. Das ist auch wichtig für die journalistische Gemeinde, solchen Leuten das Handwerk zu legen."

Er warnt Journalisten davor, Gefühle von Menschen zu missbrauchen, mit ihnen "Schindluder" zu treiben. Ulrich Marseille: "Ich weiß, dass die Masse der Journalisten mit so etwas nichts zu tun haben will. Solche Sendungen schaden der gesamten Journalistengemeinde. Daher lassen wir uns das nicht gefallen.“
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