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Pressemitteilungen

30.06.2015

Scharfer Gegenwind für Team Wallraff


Oldenburg, 30.06.2015 - Nicht jeder, der es mit „Team Wallraff“ zu tun bekommt, wirft sich vor den Investigations-Cowboys des Kölner Privatsenders in den Staub. Schon gar nicht dann, wenn die Recherche-Methoden und die TV-Präsentation der heimlichen Ton- und Bildaufnahmen von Wallraff durchaus in Zweifel gezogen werden können. Wir, die Marseille-Kliniken AG, haben uns schon in der Vergangenheit gegen die Methoden dieses Privatsenders gewehrt. Nun bekommen der Kölner Verkleidungskünstler und seine Jünger auch noch heftigen Gegenwind von einem anderen Unternehmen, das von „Team Wallraff“ vorgeführt wurde.

Das Familienunternehmen „Vitesca“ ist ein Caterer mit Sitz in Wuppertal. Die Großküche beliefert Schulen und Kindertagesstätten. Es ist einer der führenden deutschen Anbieter auf diesem Gebiet. Doch dann kam „Team Wallraff“ und eine als Praktikantin verkleidete Reporterin zeigte verschimmelte Gurken, abgelaufene Lebensmittel und fragwürdige Verarbeitungsprozesse. Ein Desaster für „Vitesca“. Nach der Ausstrahlung der Sendung blieben Kunden aus, stornierten Aufträge. „Vitesca“ musste daraufhin Mitarbeiter entlassen. Eine Ironie der Geschichte, denn ist es doch gerade dieser Günter Wallraff, der sich seit Jahrzehnten als Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsfreund aufmantelt und sich als Sheriff feiern lässt. Doch eine saftige Einschaltquote bei einem Kölner Privatsender wiegt offenbar inzwischen mehr als ein paar trockene Prinzipien.

„Vitesca“ wehrte sich in einem Statement und einem Imagefilm gegen RTL-Rechercheure. Die „angeblichen Enthüllungen“ seien eine Mischung aus selektiven Aufnahmen, hanebüchenen Behauptungen“ mit „einigen geschickten Schnitten“, so zitiert die Zeitung „Tagesspiegel“ das Unternehmen. Auch das Bergische Veterinäramt, zuständig für Lebensmittelkontrollen im Raum Wuppertal wundert sich über das Vorgehen von RTL. Eine Mitarbeiterin der Lebensmittelkontrollstelle: "Was ich jedoch nicht verstehe: Wenn man sich bei RTL so unsicher ist, was die Hygiene bei ,vitesca' betrifft, warum hat man nicht zeitnah eine Anzeige erstattet und uns informiert? Möglicherweise, weil es denen weniger um das Wohl der Kinder, sondern um eine gute Quote geht." (Wuppertaler Rundschau, 21.6.2015) Da liegt die Frau sicherlich nicht falsch. Der Quote fallen also nicht nur Arbeitsplätze zum Opfer.

Wir hatten es gleich zweimal mit Team Wallraff zu tun. Beide Male haben wir uns gegen diese journalistische Scharade gewehrt, weil wir nicht hinnehmen wollten, wie wehrlose Senioren und auch Mitarbeiter in unseren Einrichtungen von Hausfriedensbrechern heimlich abgefilmt und aufgenommen werden.

Die Amarita Oldenburg GmbH, in die sich eine angebliche Praktikantin eingeschlichen hatte, stellte Strafanzeige gegen zwei Mitarbeiter von Team Wallraff, darunter Wallraff persönlich, der schlecht verkleidet in der Einrichtung recherchieren wollte und dann von Mitarbeitern enttarnt wurde. Wir stellten u.a. Anzeige wegen heimlicher Ton- und Bildaufnahmen. Schon einmal wurde gegen eine Reporterin von „Team Wallraff“ eine Strafanzeige gestellt. Sie hatte, als Praktikantin verkleidet, in einer unserer Einrichtungen in Berlin-Kreuzberg heimlich nicht nur Gespräche von Mitarbeitern aufgezeichnet, sondern auch heimlich Filmaufnahmen von wehrlosen Senioren gemacht, darunter einem älteren, verwirrten Bewohner, der gerade in Unterwäsche von der Toilette kam. „Team Wallraff“ und der Kölner Privatsender waren sich nicht zu schade, die für ihn peinlichen Aufnahmen dieses Mannes zwischen geldbringenden Werbeblöcken ihrem Publikum zu verkaufen.

Folgerichtig wurde von Betroffenen Strafanzeige gegen die „Team Wallraff“-Mitarbeiterin Pia Osterhaus gestellt, die diese Aufnahmen gemacht hatte.

Die Staatsanwaltschaft in Köln stellte die Ermittlungen ein. Die Begründung grenzt ans Absurde. Die Staatsanwältin sollte u.a. ermitteln, weil die gefilmten Bewohner in ihrem Persönlichkeitsbereich und ihrer Privatsphäre verletzt wurden (Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen, § 201 a StGB). Die Staatsanwältin Schulz aus Köln schrieb in einer Einstellungsverfügung, dass zwar die Zimmer der Bewohner als Wohnung i.s.d. Strafvorschrift geschützt seien, nicht aber der Flur. Folgt man der Argumentation der Staatsanwältin, dann dürften hilflose, halbbekleidete Menschen straflos von Kamerateams im Flur einer Pflegeeinrichtung abgefilmt werden – eben das was „Team Wallraff“ in Kreuzberg getan hat. Gänzlich skurril wird, es wenn die Staatsanwältin schreibt: „Dass Ihr Mandant beim Heraustreten aus der Toilette nur teilweise bekleidet gefilmt und dabei in einer unangenehmen und peinlichen Situation erwischt worden ist, führt nicht dazu, dass er in seinem höchstpersönlichen Lebensbereich betroffen ist. ... Ergänzend wird noch darauf hingewiesen, dass das Gesicht Ihres Mandanten sowie auch der Unterleib stark verpixelt worden sind, so dass dieser jedenfalls für unbeteiligte Personen nicht erkennbar ist. Auch dies spricht dagegen, dass ihr Mandanten in seinem höchstpersönlichen Lebensbereich betroffen ist.“

Folgt man der staatsanwaltschaftlichen Logik, muss der ältere, verwirrte Senior, der gerade halbnackt aus der Toilette getreten ist und dabei heimlich gefilmt wurde, „Team Wallraff“ auch noch dankbar sein, dass sie dem RTL-Publikum seinen Unterleib verpixelt präsentiert haben?

Gegen die Einstellung des Ermittlungsverfahrens durch die Kölner Staatsanwältin wurde Beschwerde eingelegt. Die Generalstaatsanwältin aus Köln wies die Beschwerde „als unbegründet“ zurück. Damit ist das Verfahren gegen Pia Osterhaus vom „Team Wallraff“ rechtmäßig eingestellt. Dies bleibt für uns nicht nachvollziehbar. Wir halten es nach wie vor für einen eklatanten Verstoß gegen journalistische Ethik, wenn man heimlich halbnackte, wehrlose Senioren filmt und sie einem Millionenpublikum der Quote willen präsentiert

Wir halten es auch nach wie vor für absolut unhaltbar, dass Spitzel-Journalisten von wehrlosen Bewohnern heimlich Ton- und Filmaufnahmen machen.


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