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MK-Kliniken AG - Pflegeheime, Betreutes Wohnen, Altenpflege

Aus den Einrichtungen

26.04.2012

"Ich möchte, dass ältere Menschen Freude haben"


Hamburg, 26. April 2012 – William Franklin Wolfgang Schwarz tippt auf sein Namensschild, das am Pullunder befestigt ist. "Boys’ Day" steht dort in bunten Buchstaben. "Ich bin dabei", sagt er, langsam, als müssten selbst eigene Worte Überzeugungsarbeit leisten. William hat Spiele mitgebracht. Schach und Backgammon stecken im Jutebeutel. Am Jungen-Zukunftstag will der 15-Jährige aus Bergstedt die Bewohner der Amarita Hamburg-Mitte herausfordern. Neben William schauen fünf weitere Jugendliche an diesem Tag hinter die Kulissen der Einrichtung und lernen die Bereiche Pflege, Beschäftigungstherapie oder Küche kennen.

Erklärtes Ziel des bundesweiten Jungen-Zukunftstags ist: Schüler aus der Mittelstufe erhalten Einblick in Berufsfelder, in denen Männer bislang unterrepräsentiert sind. Beispiel Altenpfleger: Der Anteil männlicher Auszubildender betrug im Jahr 2010 bundesweit nur 19,3 Prozent. Stattdessen bildeten Kraftfahrzeug-Mechatroniker, Kaufmänner im Einzelhandel und Industrie-Mechaniker die Spitze der am stärksten von Männern besetzten Ausbildungsberufe – soweit das Bundesinstitut für Berufsbildung über die Top 20. Rund 50 Prozent der Jungen konzentrieren sich auf diese derzeit typisch männlichen Ausbildungsberufe. Noch immer sind Jugendliche in ihrer Berufs- und Lebensplanung stark von traditionellen Männlichkeitsbildern geprägt.

"Versuchen Sie nicht, mich zu überlisten!" William grinst. Sein Gegenüber hebt die Brauen. "Ich lass’ mich nicht schocken", sagt der Mann mit Sportjacke überm Jeanshemd und macht einen Zug, am abgespreizten kleinen Finger steckt ein Ring aus Sterlingsilber. William Franklin Wolfgang Schwarz und Jens Sauerberg (59) sind Gegner beim Schach und sprechen eine ähnliche Sprache. Manchmal gleitet William ein Bauer aus der Hand und Bewohner Sauerberg stellt ihn auf, wo er hingehört.

Es ist Williams Boys’ Day. Als ihm das Projekt vorgestellt wurde, ihm und seinen Mitschülern der Klasse 8b der Stadtteilschule Bergstedt, sei ihm gleich eingefallen: "Ich will ins Seniorenheim. Ich will beweisen, dass ich was kann!" Jeder Silbe verleiht William Nachdruck. Zum Rhythmus seiner Worte wiegt er die feingliedrigen Finger, die gefaltet im Schoß liegen. William Franklin Wolfgang Schwarz hat einen genetischen Defekt. Vor eineinviertel Jahren konnte er laufen wie alle anderen. Jetzt sitzt er im Rollstuhl. "Ich bin behindert. Ich möchte, dass ältere Menschen Freude haben."

Williams Mutter hatte mit der Pflegeeinrichtung in Hamburgs Angerstraße telefoniert, Einrichtungsleiterin Ariane Marschke gab gleich grünes Licht. "Ich habe nicht locker gelassen", sagt William, der seinen Boys’ Day bei Senioren der Amarita verbringen wollte. "Ich kann nicht ab, Menschen zu sehen, die keine Freude haben. Als ob was nicht richtig wäre in der Welt. Als müsste ich dran drehen."

William kennt sein Schicksal, an dem er jeden Tag dreht. William leidet an der Friedreich-Ataxie, einer degenerativen Erkrankung des zentralen Nervensystems. Mit dieser Erbkrankheit wird der Schüler im Lübecker Uniklinikum betreut. Geschätzt 1500 Bundesbürger leben mit dieser Erkrankung. "Ein Defekt im Kleinhirn", sagt Williams Mutter Raymonde.

Mit einem Lächeln auf dem Gesicht kommt William ins Grübeln. Mit Wanda Paulmann (97) und Heinz-Jürgen Hellmer (74) brütet er über einem Wortquiz, das Ergotherapeutin Janna Holm (24) für das wöchentliche Gedächtnistraining vorbereitet hat: "Anagram einmal anders." Das Prinzip: Wer die Buchstaben eines Personennamens neu zusammenfügt, erfährt den dazu passenden Beruf. Heraus kommt ein Stellmacher. "Ist er für Feinarbeiten zuständig?", will William wissen und tippt auf die Speichen seines rechtes Rads: "Macht ein Stellmacher auch so was?" Hellmer lächelt, seine Hände hat er wie William gefaltet: "Wenn der Stuhl aus Holz wäre, dann ja." William Franklin Wolfgang Schwarz und Heinz-Jürgen Hellmer sprechen eine ähnliche Sprache.

Die Ergotherapie hat zum Ziel, Menschen mit Handicap zu integrieren. "Wir trainieren die Selbstständigkeit", sagt Holm mit Blick auf die so genannte Biografie-Arbeit. "Damit erinnern wir an den früheren Alltag, an vertraute Handgriffe. Wir trainieren das Essen, schmieren gemeinsam Brote. Auch auf diesem Weg fördern wir Ressourcen." Was bringt ein Gedächtnistraining? "Zunächst vermitteln wir eine Tagesstruktur. Wir fördern die Konzentration, Merkfähigkeit und die Kommunikation in der Gruppe. Teilnehmer übertragen ihre Erfolge in den Alltag."

Das Anagramm-Quiz hat William Franklin Wolfgang Schwarz in seinen Jutebeutel, zwischen Schach und Backgammon, gesteckt. "Er hilft gern", sagt Mutter Raymonde, "das war schon immer so". William hebt einen Zeigefinger: "Mama, ich bin behindert. Wenn ich gepflegt werde, ist das sozial. Warum soll ich nicht selbst helfen?"

Am nächsten Tag, in seiner integrativen Stadtteilschule Bergstedt, wird William ein Referat über den Iran und die Atomproblematik halten. Sein Namensschild mit dem bunten "Boys´ Day"-Schriftzug hat er zur Erinnerung mit nach Hause genommen.
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